Sonntag, 12. August 2018

All you need is Love


Suzan und Everline beim Spielen
Die Kinder im Fruitful Talent Center sind wirklich sehr liebenswert und auch lebensfroh, aber natürlich merkt man, dass die Kids ihre Eltern sowie Stabilität vermissen.

Hinsichtlich Zweiterem sind wir Praktikanten auch nicht hilfreich um ehrlich zu sein, da die meisten sechs oder acht Wochen bleiben und dann wieder heimfahren. Und immerhin braucht man auch etwas Zeit, um sich einzugewöhnen und die Kids/Betreuerinnen etwas besser kennenzulernen.
 


Betreuerin Purity mit ihrer Tochter Gift
Einen Erwachsenen als Bezugsperson haben die Kids eigentlich nicht, da die zwei angestellten
Lehrerinnen nur ein paarmal in der Woche da sind und selbst nicht im Slum leben.

Die zwei Betreuerinnen vor Ort, die Großmutter Rona und Purity, betrachte ich persönlich auch
eher als Erzieherinnen wie als potentiellen Elternersatz.

Zu zweit um die 35 Kinder zu managen, ist natürlich nicht einfach. Umarmungen zwischen Kids und Betreuern kommen deshalb nicht allzu oft vor. Zumindest habe ich das nur einmal gesehen, als ein neues Kind angekommen ist, das zwei Tage vorher ihre Eltern verlor. Und dass es in Kenia üblich ist, Kinder zu erzieherischen Zwecken zu schlagen, macht das ganze natürlich auch nicht besser.




Ich, Suzan und Angel

Das stärkt in gewisser Weise den Zusammenhalt der Kinder, so sind Ältere jeweils zuständig für jüngere. So kam es auch dazu, dass ein kleines, sehr dünnes Kleinkind namens Angel die zwölfjährige Suzan als Mama bezeichnet und nur bei ihr ruhig ist. Das fördert zwar nicht umbedingt die Fortschritte in der Schule, da Suzan allerdings schnell lernt hält sie locker mit dem Niveau der anderen mit.




Ein kleiner, kräftiger Junge namens June kam oft in während des Unterrichts in meine Klasse gerannt. Eigentlich nicht so schlimm, allerdings störte er doch mit seiner Aggressivität die Konzentration der Kinder.
Der zweijährige June beim Mittagessen auf dem Boden
Ihn zurück in seine Klasse zu schicken, war nicht möglich, da er als Zweijähriger sogar für die Baby-Klasse zu jung war. Auf den Schoß nehmen kam auch nicht in Frage, da für Windeln kein Geld da ist. So versuchte ich ihn mit Buntstift und Papier zu beschäftigen, allerdings war das auch nicht lang von Dauer und dann ging es wieder los mit den Schlägen. Als ich ihn dann schimpfte, was eigentlich bei allen anderen Kindern relativ gut funktioniert, fing er dann plötzlich sogar an mich zu hauen!
Da die kenianische Erziehungsmethode, Schläge, natürlich für mich nicht in Frage kam, nahm ich ihn an den Händen, hob ihn hoch und ließ ihn ein paar Minuten baumeln was ihm offensichtlich keinen Spaß bereitete. Eine Woche später hörten dann die Schläge auf und June nahm mich anstattdessen an die Hand. Und die wollte der Kleine garnicht mehr loslassen.



Das sind nur einige rührende Geschichten, die ich im Fruitful Talent Center erleben durfte. Das zeigt, dass wir am Ende alle gleich sind, egal ob schwarz oder weiß, groß oder klein, alt oder jung. Wir sind Menschen und brauchen alle Liebe und Zuneigung. Der eine mehr, der andere weniger.


Kinder beim Spielen
Die kleine Joy



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