Donnerstag, 19. Juli 2018

Unterricht ist nicht gleich Unterricht


Im Fruitful Talent Center beginnt die Schule um 9:00 Uhr. Eigentlich.

Abhängig davon, wann die Praktikanten auftauchen und wie motiviert die lokale Lehrerin gerade ist, startet der Unterricht tatsächlich. Oft sind die Praktikanten krank, auf verlängerten Wochenendtrips oder in anderen Projekten, was der Routine natürlich auch nicht gut tut. Kann dann schon vorkommen, dass es dann ein bis eineinhalb Stunden später losgeht.


Everline, Joy und ich

Auch mit dem Lehrplan ist es so eine Sache. Ich hatte das Glück, dass schon in der zweiten Woche die halbjährlichen, staatlichen Examen stattfanden und ich somit einen Überblick erhielt, was die Kinder in meiner Klasse eigentlich schon alles können sollten.
Die Ergebnisse fielen allerdings katastrophal aus. Durchgehend Fünfen in den Fächern Englisch, Wissenschaften und Erdkunde. Immerhin erreichten sie in ihrer Muttersprache, Kiswahili, zwischen 40 und 60 Prozent.



Ich bin mir allerdings sicher, dass die Kinder besser wären, wenn ihr Englisch besser wäre. Natürlich nicht das Einfachste, das den Kids beizubringen, wenn man ihre Muttersprache nicht kann.
  
Austin
Einen Stundenplan gäbe es glaube ich in der Theorie, schwarz auf weiß hab ich allerdings bisher noch keinen gesehen. So unterrichtet jeder 'Teacher', wie die Kinder uns Praktikanten liebevoll nennen, mehr oder weniger das wofür das Herz schlägt. In meinem Fall, Überraschung, Mathematik!
Ich will mein Bestes geben, um sie immerhin auf das Niveau einer Drei zu bekommen.

Ob ich es schaffe, erfährt ihr in den nächsten Wochen!




Sonntag, 1. Juli 2018

Die Straßen Nairobi´s

Von A nach B zu kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist in Nairobi alles andere als einfach. Ungewiss ist der Zeitpunkt der Abfahrt und noch mehr der Zeitpunkt der Ankunft.

Typisches Matatu für 14 Passagiere plus Fahrer und Assistent
Anders wie in Deutschlands Großstädten gibt es in der Millionenstadt Nairobi keine U-Bahn. Das typische Fortbewegungsmittel ist ein sogenanntes "Matatu". Das sind klapprige Busse für 14 bis 45 Passagiere, die großteils auffällig lackiert sind. In den kleineren läuft oft die Radiosendung eines Seelendoktors, in den größeren ohrenbetäubende Musik (Afro-Pop, Reggae, Schlager, ...).
 

In den Matatus erlebt man so Einiges. Kann schon mal vorkommen, dass man 30 Minuten auf demselben Fleck steht, bis wieder etwas vorangeht. Ist das dann der Fall, geben die Fahrer Gas und wechseln willkürlich die Spur. Es werden auch Kurven verkürzt um ein paar Autos zu überholen. Randsteine sind dann trotz oft defekter Stoßdämpfer kein Hindernis. Auch Ampeln werden von den meisten Verkehrsteilnehmern ignoriert.
Glücklicherweise können die klapprigen Blechbüchsen aber wegen des hohen Verkehrsaufkommens und den meist miserablen Straßen keine allzu hohen Geschwindigkeiten erreichen.


Da es weder Pläne über die Routen, noch Anzeigen über Wartezeiten oder ausgeschilderte Haltestellen gibt, ist das Zurechtfinden mit den Matatus als Fremder nicht so ganz einfach.
Abgesehen davon war die Haltestelle im Stadtzentrum, an der ich täglich ein- und ausstieg, alles andere als sicher.
Juventus-Turin-Matatu
Diebe versuchen dort potentielle Opfer schon bei deren Ankunft auszuspähen.
Aus diesem Grund steige ich mittlerweile schon eine Haltestelle früher aus und gehe den Rest, um potentiellen Ärger zu umgehen. Um nicht mehr ganze fünf Stunden täglich in diesen umbequemen Dingern zu verbringen, nehme ich inzwischen bei der Heimfahrt auch eine andere Route. Diese herauszufinden ohne in den Straßen Nairobi´s verloren zu gehen, war defnititiv eine Herausforderung.


Doch eines muss man den Matatus lassen:
Die Optik einiger Fahrzeuge ist bemerkenswert!


Die Motive variieren extrem, so findet man von Musikern, Sportlern/Sportmannschaften, US-Fernsehserien, religiöse Abbildern und Sprüchen ("God will heal us") bis hin zu einem Ferrero-Rocher-Matatu alles mögliche wieder.
Dabei muss erwähnt werden, dass eine Packung Ferrero-Rocher in Nairobi umgerechnet knapp 10€ kostet und somit für den Durchschnitts-Kenianer nicht umbedingt erschwinglich ist. 


Ferrero-Rocher-Matatu

Mittwoch, 13. Juni 2018

Auf ins Abenteuer


Buch anschauen mit einer der Jüngsten

Hallo,

ich bin Eva, 22 Jahre alt und seit kurzem
Wirtschaftsmathematik-Absolventin.

Von nun an werde ich für gut zwei Monate im von INGEAR unterstützten Fruitful Talent Center tätig sein.

Im Gepäck habe ich viel - Neugier, Vorfreude, Skepsis und
ganze 46 Kilo Material! 
Gut die Hälfte davon werden nach und nach die Kids im Waisenhaus erhalten - hauptsächlich Kleidung, Hefte, Stifte, Kuscheltiere und Spielzeug, die Freunde und Verwandte entbehren konnten.



Nun war es endlich soweit, mein erster Tag im größten Slum Afrikas war gekommen. Schon erstaunlich, dass sich dieser inmitten der Hauptstadt Kenias befindet. Man kann ihn sich als ungepflegte Stadt aus Wellblechhütten vorstellen, wo aber dennoch das Geschäft mit Waren und Dienstleistungen floriert. Vom Frisör bis zum Ladekabel ist hier nahezu alles erhältlich - nur wesentlich günstiger als im Zentrum Nairobis. Mein Weg zum Fruitful Talent Center führt mich einer Art Hauptstraße des Slums entlang, die erstaunlicherweise ziemlich sauber ist. Doch das gilt nicht für die Nebenstraßen, auf diesen findet man sich unter Müllbergen und menschlichen Überresten wieder.


Im Waisenheim angekommen, wurde ich von allen Seiten herzlich mit "Karibu" - auf deutsch willkommen - begrüßt. Man kann die Gemeinschaft spüren, das Waisenhaus versteht sich als große Familie. So hat jeder viele Schwestern und Brüder und die größeren Kids kümmern sich um die kleineren.
Doch man sieht auch die Not - viele Kinder tragen verschlissene oder auch löchrige Kleidung und auch die wenigen Schulbücher fallen auseinander.



Insgesamt sind es nun gut 40 Waisen, die in der Wellblechhütte des Fruitful Talent Centers in Kibera ein Dach über dem Kopf gefunden haben. Sie alle halten sich von circa 9 Uhr bis knapp 16 Uhr in einem Klassenzimmer auf, in dem die unterschiedlichen Klassen durch alte Tafeln abgetrennt werden. Meine Aufgabe in den nächsten Tagen besteht darin, die älteren Kids in Englisch, Mathematik und Wissenschaften zu unterrichten. Doch auch jenseits des Klassenraumes gibt es viel zu tun...


Kinder im Vorschulalter üben gemeinsam


Bis bald!

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Weihnachten in Kenia

Ich liebe Weihnachten! Ich liebe all die kleinen Rituale die mit Weihnachten verbunden sind! Und ich liebe es, dass diese Rituale eigentlich stehts gleich ablaufen - zu Hause - bei der Familie!

Doch obwohl ich dies alles an Weihnachten so liebe, habe ich mich 2013 bewusst entschieden Weihanchten in Kenia zu verbringen, genauer im Fruitful Talent Center. 
Statt Schnee (obwohl es den ja e kaum mehr gibt) gab es Sonne und 30 Grad im Schatten, statt Plätzchen gab es Chapati und statt Geschenken gab es viele große staunende braune Kinderaugen bei dem Anblick der paar Spielzeuge, die wir mitgebracht hatten. 


Weihnachten wird in Kenia nicht wie bei uns am 25.12 gefeiert, sondern   am 24. 
Am 24. machten sich Nadia, eine weitere Freiwillige und ich uns auf dem Weg nach Kibera um die Nacht im Heim zu verbingen. Normalerweise schliefen wir auserhalb in unserer eigenen Unterkunft.
Diese Nacht schliefen wir kaum. Es war sehr laut im Slum und mit drei Kinder im Bett auch sehr eng. Doch so ist es für die Bewohner, die hier leben, immer.

Der Hene geht es an den Kragen 

Am morgen des 25. wurde unsere e schon kurze Nacht durch ein kurzes Krähen einer Henne, das aber bald erstummt, beendet. Wir hatten am Vortag 15 Hennen besorgt, denen es jetzt an den Kragen gehen sollte. Nicht jedermanns Sache. Die Kinder aber hatten eine rießen Spaß, die Hennen zu Rupfen und auszunehmen.
Fleisch gibt es im Heim nur sehr selten, da es in der Regel zu teuer ist. Daher war dies etwas ganz besondere für die Kinder.
Die Ganze Nachbarschaft kam zusammen und half bei den Vorbereitungen für das Festmal. Es sollte Pilau, eine Art Reiseintopf und Chapati, keninaisches Fladenbrot, geben. 
Ich durfte beim Chapati-machen helfen. Ca. 200 Stück briet ich zusammen mit Junice einer Betreuering über dem Jiko. Dabei verbrannte ich mich unzählige male.






Bei der Zubereitung von Chapati
    
Nachdem alle Vorbereitungen getroffen worden waren, machte wir uns auf den Weg in die Kirche. Wer schon einmal in einer Kirche in Afrika war, weiß was für eine tolles Erlebnis das ist. Die Atmosphäre ist etwas ganz besonderes. Die Leute singen, tanzen und danken Gott aufrichtig für das was er ihnen gibt. So macht Kirche wirkich Spaß!


Anschließend ging es zurück ins Heim, wo sich nach und nach auch die ganzen Nachbarskinder einfanden. Wie viel Kinder es am Ende waren, weiß ich nicht, aber es waren viele :)
Zusammen aßen wir Pilau und Chapti. Danach tanzten wir zu lauter Musik und testeten die neuen Spielgeräte aus, die es als Weihnachtsgeschenk gab: Einen Hula-Hoop, einen Fußball und ein paar Jonglierbälle.
Die größte Freude für mich war, das ich das Gefühl hatte, das die Kinder wirklich glücklich waren.


Als Geschenk gab es einen neuen Hulahoop-Reifen
Ich liebe Weihnachten uns seine Rituale und obwohl ich dies alles in diesem Jahr nicht hatte, liebte ich auch dieses Weinachten. Es war eben ein ganz besonders Weihnachten, ein Weihnachten mit ganz viel Freude. An Weihnachten kommt es nicht auf die Geschenke an, sondern auf das Beisamen sein und darauf dankbar zu sein für das was man hat.
Dies wurde mir an diesem Weihnachten wieder sehr bewusst

In diesem Sinne euch alleen Frohe Weihnachten!


Sonntag, 21. August 2016

Wie alles begann

Hallo,

ich bin Katharina, die Betreuerin des von Ingear unterstützen Projekts in Kenia - dem Fruitful Talent Center.
In Zukunft werdet ihr hier alles Rund um das Projekt erfahren. 


Doch zunächst einmal: Wie alles begann....

Vor ziemlich genau drei Jahren habe ich mir einen kleine Traum erfüllt und bin für eine
Praktikum an einer Schule nach Afrika, genauer nach Kenia gereist. Damals noch nicht mit INGEAR, sondern einer Studenentenorganisation, die weltweit Praktika vermittelt.




Was ich erwartete? Ich weiß es nicht. Ich wusste nicht viel über das Land, nicht wircklich was über die Menschen und auch nicht viel über das Projekt in dem ich arbeiten sollte. Aber vielleicht war gerade das gut. Ich bin ohne Erwartungen in ein Abenteuer gestartet, was mich geprägt und verändert hat. Ich hab mich verliebt in ein Land, seine Menschen und vor allem in ein Projekt - das Fruitful Talent Center.

Kibera Slums

Das Projekt liegt mitten in Nairobi, in den Kibera Slums, eines der größten Slums Afrikas. Wie viele Leute dort leben, weiß man nicht - vielleicht 200.000 vielleicht 1 Millionen. Die Menschen dort leben, wie man es aus dem Fernseher kennt -  in Lehm- oder Belchhütte an Blechhütte, kein fließend Wasser, keine Kanalisation, kaum Tolietten und das mitten in einer modernen Stadt. Doch so schlimm es sich jetzt vielleicht anhört, ich habe es nie so empfunden. Ich war gerne dort.
Sho-Sho




Das Fruitful Talent Center ist ein kleines Waisenheim mit einer kleinen Schule. Es wurde nicht wie so viele andere Projekte von einer NGO aufgebaut, sonder von einer Frau, die selbst im Slum aufgewachsen ist - Rona, von allen Sho-sho (Großmutter) genannt. 
Entstanden ist das Projekt bereits in den 80er Jahren. Rona hatte den Traum, dass jedes Kind zur Schule gehen kann. Deshalb begann sie zusammen mit anderen Frauen Waisenkinder in ihrer kleinen Hütte, ohne Ausbildung, ohne Bücher umsonst zu unterrichten. Weil sie die Kinder aber abends nicht zurück auf die Straße schicken wollte nahm Rona sie bei sich auf.  Als Einnahmequelle um die Kinder zu versorgen diente der Verkauf von afrikainschen Schmuck den sie in liebevoller Handarbeit noch heute gerstellt. Das Geld war meist knapp und doch fand die Kinder nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern vor allem auch ein Zu Hause.

Der Mädchenschlafsaal

Das Projekt wurde größer, Kinder die bei Rona aufwuchsen blieben und unterstützen sie auch weiterhin. Heute leben etwa 29 Kinder im Alter von 2 - 18 Jahren im Heim. Es gibt einen Schlafsaal für die Mädchen und einen für die Jungs, eine kleine Küche in der am offenen Feuer gekocht wird, da es keinen Strom gibt, und einen Schulsaal. Dort werden täglich  etwa 50 Kinder, sie von außerhalb kommen von Purity, Jane und Beatrice unterrichtet. 






Das Fruitful Talent Center ist nicht nur ein Waisenheim oder eine Schule, es ist eine Familie. Ich denke ganau das ist es, was dieses Projekt ausmacht. Jeder der dieses Projekt einmal besucht hat spürt dies und fühlt sich bald selbst wie ein Teil dieser Familie.




Doch das was das Projekt auszeichnet, nämlich der Zusammenhalt von Menschen, die selbst kaum etwas haben, stellt gleichzeitig das größte Problem dar. Zwar möchten sie jeden gerne helfen, doch es ist kaum Geld vorhanden. Das Projekt wurde als Waisenheim und Schule offiziel registriert doch von der kenianischen Regierung ist keine Unterstützung zu erwarten. 

Seit zwei Jahren wird das Center von INGEAR unterstützt. Seit dem hat sich viel getan im Fruitful Talent Center. Doch es gibt noch viel zu tun....

Alles rund ums Center erfährst du in Zukunft hier!