Donnerstag, 30. August 2018

Rückblickend auf die Zeit in Kenia...

Seit einigen Wochen bin ich nun wieder daheim in Bayern und blicke nun auf die letzten Monate in Kenia zurück. Eines vorweg, es war eine sehr spannende und abenteuerliche Zeit.

Ich, Joy und Joseph vor dem Waisenhaus und dessen Nachbarschaft








Was ich während dieser Zeit in Erfahrung bringen konnte, kann ich auch nach drei Wochen immer noch nicht recht in Worte fassen.


Schienen in mitten des Slums
Eine der "Slum-Hauptstraßen"





 Der Weg zum Projekt war sehr oft stressig und/oder langwierig, aber es war immer wert, zu den Kindern zu fahren. Vor allem die Kids waren sehr inspirierend und haben mich viel zum Nachdenken gebracht. Das Schlimmste am Ende meines Trips war, die Kinder im Slum "zurückzulassen".

Purity, Betrice und ich


Dass man ohne materiellen Besitz glücklich sein konnte ich mir schon vorstellen, allerdings habe ich die "Menge an Glück" doch deutlich unterschätzt. Mit den Kids zu tanzen, singen, malen oder Spiele zu spielen hat einfach so viel Spaß gemacht.

Der kleine Belo
Baby-Klasse nach dem Mittagessen - typisches Bild















Auf der anderen Seite war es oft auch frustrierend, wenn ich mal etwas voranbringen wollte. Kulturbedingt brauchen die Kenianer oft eine seeehr lange Anlaufzeit und sind nicht umbedingt begeistert, wenn mal etwas schnell gehen sollte.
Die Brüder Regan und Joseph, sehr fleißige Fußballspieler


Oft habe ich daran gedacht, was wohl aus den Kindern mal wird wegen unzureichender Schulausbildung und mangelndem technischen Wissen. Wie sollen Sie Emails schreiben, wenn sie nicht mal wissen wie man eine Maus bedient? Eine Computerstunde brachte sie zwar weiter, aber halt auch nur gering. Immerhin ist es schon mal besser lesen zu können als nicht lesen zu können, so hab ich mich oft getröstet.
Kinder beim Spielen in der Pause



Sehr großen Respekt verdient meiner Meinung nach die Großmutter Rona, die ihr ganzes Leben dem Waisenhaus und den Kindern widmet. Obwohl sie selbst nicht gebildet ist, merkt man doch, dass es ihr sehr wichtig ist, dass die Kids was lernen. Verständlich, denn zu sehen, wie die Kinder Fortschritte machen, ist wirklich sehr schön.
Ich am letzten Tag beim Marmeladen-Toastbrot-schmieren

Ich bin sehr dankbar für die Erfahrung und es freut mich, so viele nette Menschen kennengelernt zu haben. Auch mit anderen Praktikanten die Natur Kenias zu bestaunen war wirklich jede Sekunde wert.
Diane Beach

Sonnenuntergang in der Massai Mara
Ich hoffe, dass ich Euch (obwohl ich ja wirklich keine geborene Bloggerin bin) einen guten Eindruck über das Projekt und das Leben in Kenia vermitteln konnte!

Liebe Grüße, Eva


Dienstag, 14. August 2018

Mein Alltag als Praktikantin


07:00 Uhr : Mein Tag beginnt, ich mach mich fertig und geh dann frühstücken. Das Essen ist in den Unterkünften meist dabei, es gibt Toastbrot und einmal wöchentlich gibt es Mandazi.

Mandazi

07:45 Uhr: Ich verlasse die Unterkunft, nun geht es zum ersten Matatu Richtung Innenstadt. Mittlerweile steige ich schon eine Station früher aus und gehe dafür ein Stück, da der Weg zum nächsten Matatu so wesentlich sicherer ist. An dieser Route sind weniger Straßenkinder/-menschen und bewaffnete Securities und Polizisten patroullieren vor Gebäuden. Nach einigem Herumprobieren habe ich herausgefunden, dass man um diese Zeit gerade die Rush-Hours umgeht.

08:50 Uhr: Um diese Zeit treffe ich ungefähr im Waisenhaus ein und begrüße die Großmutter Sho-sho, Betreuer und gegebenfalls die Helfer in der Küche. Nach einiger Zeit hat sich herausgestellt, dass sie das wirklich schätzen. Viele der Praktikanten gehen direkt in die Klasse.

Gruppenfoto mit der Großmutter (mit kariertem Tuch) sowie einigen Betreuern und Kindern

09:00 Uhr: Nun beginnt (eigentlich) der Unterricht und ich gebe mein Bestes, die Mathematik-Kenntnisse der Kinder etwas auszubauen. Oft reden wir allerdings davor noch über Essen, das Wochenende etc. und verbessern die Hausaufgaben, falls sie die Kinder gemacht haben.

Betreuerin Purity und ich mit der "Baby-Klasse"

Fleißige Drittklässler

12:00 Uhr: Wir Praktikanten gehen nun für eine Stunde zum Kibera Town Center. Das Essen scheint dort einigermaßen safe zu sein und einigermaßen saubere Toiletten gibt es dort auch. Dennoch habe ich dort hauptsächlich Cola getrunken.

13:00 Uhr: Nun sind wir wieder zurück im Waisenhaus. Den Kindern wird dann Essen serviert, wenn es fertig ist. Deshalb haben die Kids manchmal schon gegessen oder man kann noch etwas dazuhelfen, sei es bei der Zubereitung oder beim Verteilen.
(Und ja, dieselbe Jacke trug ich jeden Tag, da sie so gut dreckabweisend war....)
 
Hungrige Kids

Purity zeigt mir, wie man Ugali zubereitet - Ganz schön anstrengend aber macht Spaß!
 
Oft schlafen die Kinder nach dem Essen - Schlafmangel weil die Betten geteilt werden


15:00 Uhr: Nach der Vergabe der Hausaufgaben für die Kinder verlasse ich das Fruitful Talent Center, um den abendlichen Verkehr noch etwas zuvorzukommen.
Wieder nehme ich die Matatus, um zurück zu meiner Unterkunft zu gelangen. Anfangs ging ich früher aus dem Haus und auf dem Heimweg nahm ich andere Matatus, weswegen ich bis zu fünf Stunden pro Tag in den engen Kleinbussen saß. Nicht zu empfehlen!

Oskar aus Spanien unterrichtet die 6. Klasse

17:15 Uhr: Endlich zurück! Oft gehe ich zum Laufen oder mache noch ein paar Übungen, um das Erlebte zu verarbeiten. Doch eines sollte klar sein, natürlich muss man schneller laufen können als ein potentieller iPod-Dieb!

20:00 Uhr: Abendessen in der Unterkunft oder mit anderen Praktikanten noch treffen.

Nach dem ersten Mal laufen
Fisch mit Grünkohl und Ugali (besonders)
Reis mit Kidneybohnen




Sonntag, 12. August 2018

All you need is Love


Suzan und Everline beim Spielen
Die Kinder im Fruitful Talent Center sind wirklich sehr liebenswert und auch lebensfroh, aber natürlich merkt man, dass die Kids ihre Eltern sowie Stabilität vermissen.

Hinsichtlich Zweiterem sind wir Praktikanten auch nicht hilfreich um ehrlich zu sein, da die meisten sechs oder acht Wochen bleiben und dann wieder heimfahren. Und immerhin braucht man auch etwas Zeit, um sich einzugewöhnen und die Kids/Betreuerinnen etwas besser kennenzulernen.
 


Betreuerin Purity mit ihrer Tochter Gift
Einen Erwachsenen als Bezugsperson haben die Kids eigentlich nicht, da die zwei angestellten
Lehrerinnen nur ein paarmal in der Woche da sind und selbst nicht im Slum leben.

Die zwei Betreuerinnen vor Ort, die Großmutter Rona und Purity, betrachte ich persönlich auch
eher als Erzieherinnen wie als potentiellen Elternersatz.

Zu zweit um die 35 Kinder zu managen, ist natürlich nicht einfach. Umarmungen zwischen Kids und Betreuern kommen deshalb nicht allzu oft vor. Zumindest habe ich das nur einmal gesehen, als ein neues Kind angekommen ist, das zwei Tage vorher ihre Eltern verlor. Und dass es in Kenia üblich ist, Kinder zu erzieherischen Zwecken zu schlagen, macht das ganze natürlich auch nicht besser.




Ich, Suzan und Angel

Das stärkt in gewisser Weise den Zusammenhalt der Kinder, so sind Ältere jeweils zuständig für jüngere. So kam es auch dazu, dass ein kleines, sehr dünnes Kleinkind namens Angel die zwölfjährige Suzan als Mama bezeichnet und nur bei ihr ruhig ist. Das fördert zwar nicht umbedingt die Fortschritte in der Schule, da Suzan allerdings schnell lernt hält sie locker mit dem Niveau der anderen mit.




Ein kleiner, kräftiger Junge namens June kam oft in während des Unterrichts in meine Klasse gerannt. Eigentlich nicht so schlimm, allerdings störte er doch mit seiner Aggressivität die Konzentration der Kinder.
Der zweijährige June beim Mittagessen auf dem Boden
Ihn zurück in seine Klasse zu schicken, war nicht möglich, da er als Zweijähriger sogar für die Baby-Klasse zu jung war. Auf den Schoß nehmen kam auch nicht in Frage, da für Windeln kein Geld da ist. So versuchte ich ihn mit Buntstift und Papier zu beschäftigen, allerdings war das auch nicht lang von Dauer und dann ging es wieder los mit den Schlägen. Als ich ihn dann schimpfte, was eigentlich bei allen anderen Kindern relativ gut funktioniert, fing er dann plötzlich sogar an mich zu hauen!
Da die kenianische Erziehungsmethode, Schläge, natürlich für mich nicht in Frage kam, nahm ich ihn an den Händen, hob ihn hoch und ließ ihn ein paar Minuten baumeln was ihm offensichtlich keinen Spaß bereitete. Eine Woche später hörten dann die Schläge auf und June nahm mich anstattdessen an die Hand. Und die wollte der Kleine garnicht mehr loslassen.



Das sind nur einige rührende Geschichten, die ich im Fruitful Talent Center erleben durfte. Das zeigt, dass wir am Ende alle gleich sind, egal ob schwarz oder weiß, groß oder klein, alt oder jung. Wir sind Menschen und brauchen alle Liebe und Zuneigung. Der eine mehr, der andere weniger.


Kinder beim Spielen
Die kleine Joy



Freitag, 27. Juli 2018

Joseph

Viele Kinder im Fruitful Talent Center haben in ihren kurzen Leben schon Einiges erlebt, von Missbrauch bis zum Verlust von Eltern und Geschwistern ist alles dabei. Nach und nach fangen sie an, mir ihre Geschichten zu erzählen.


Heute stelle ich euch einen sehr charakterstarken Zwölfjährigen vor:

Das ist Joseph Omondi, zwölfeinhalb Jahre alt und einer der Waisen im Fruitful Talent Center.

Am liebsten spielt er mit seinem Bruder Fußball und tanzt. Ich muss echt zugeben, gegen seine Moves kann ich echt einpacken! Sein Lieblingsgetränk ist Cola und er isst am liebsten Reis und Bohnen oder Bananen. Sein größer Wunsch sind zurzeit Torwarthandschuhe für umgerechnet drei Euro, wobei er darunter Secondhand-Skihandschuhe versteht.

Er hat vier Geschwister, die alle im Waisenhaus untergekommen sind. Sein kleiner Bruder Vincent (7) und sein Zwillingsbruder Reagan (12) sind in der Schule des Waisenhauses, seine Schwester Everline (11) und sein großer Bruder Chris (14) gehen hingegen in eine andere, (bessere) Schule.


Die Eltern sind beide nicht mehr am Leben, die Mutter starb an HIV und der Vater an im Nairobi untypischen Malaria. Seit deren Tod haben Joseph und seine Geschwister schon viel erlebt, unter anderem einige der brutalen Ausschreitungen während der Wahlen. Ihren Aussagen zufolge haben sie sogar gesehen, wie Menschen erschossen wurden.



Joseph, Everline, Ich, Suzan und Collins

Wann Joseph Geburtstag hat, weiß er zwar nicht, aber immerhin weiß er seinen Nachnamen. Das ist nicht selbstverständlich, wie eine indonesische Praktikantin und ich in einer IT-Stunde in einem im Slum gelegenen Cyber-Cafe herausfinden mussten. Eigentlich wollten wir mit den Kids einen Email-Account erstellen und ihnen zeigen, wie alles rund um das Thema funktioniert.


Doch so weit kamen wir bei den meisten garnicht, da sie nicht mal wussten wie man eine Maus bedient. Bei anderen, "Fortgeschrittenen", mussten wir dann feststellen, dass weder Nachname noch Geburtstag bekannt sind. Das hat mich schon getroffen, schließlich folgt ja daraus, dass mit den Kindern nie Geburtstag gefeiert wird. Und das ist auch der Fall, da ich in den Wochen die ich da bin nie mitbekommen hätte, dass jemand Geburtstag hat. Und die Wahrscheinlichkeit, dass keins der gut 30 Kinder in einer Zeit von mehr als einem Monat Geburtstag hat doch sehr gering ist.

Donnerstag, 19. Juli 2018

Unterricht ist nicht gleich Unterricht


Im Fruitful Talent Center beginnt die Schule um 9:00 Uhr. Eigentlich.

Abhängig davon, wann die Praktikanten auftauchen und wie motiviert die lokale Lehrerin gerade ist, startet der Unterricht tatsächlich. Oft sind die Praktikanten krank, auf verlängerten Wochenendtrips oder in anderen Projekten, was der Routine natürlich auch nicht gut tut. Kann dann schon vorkommen, dass es dann ein bis eineinhalb Stunden später losgeht.


Everline, Joy und ich

Auch mit dem Lehrplan ist es so eine Sache. Ich hatte das Glück, dass schon in der zweiten Woche die halbjährlichen, staatlichen Examen stattfanden und ich somit einen Überblick erhielt, was die Kinder in meiner Klasse eigentlich schon alles können sollten.
Die Ergebnisse fielen allerdings katastrophal aus. Durchgehend Fünfen in den Fächern Englisch, Wissenschaften und Erdkunde. Immerhin erreichten sie in ihrer Muttersprache, Kiswahili, zwischen 40 und 60 Prozent.



Ich bin mir allerdings sicher, dass die Kinder besser wären, wenn ihr Englisch besser wäre. Natürlich nicht das Einfachste, das den Kids beizubringen, wenn man ihre Muttersprache nicht kann.
  
Austin
Einen Stundenplan gäbe es glaube ich in der Theorie, schwarz auf weiß hab ich allerdings bisher noch keinen gesehen. So unterrichtet jeder 'Teacher', wie die Kinder uns Praktikanten liebevoll nennen, mehr oder weniger das wofür das Herz schlägt. In meinem Fall, Überraschung, Mathematik!
Ich will mein Bestes geben, um sie immerhin auf das Niveau einer Drei zu bekommen.

Ob ich es schaffe, erfährt ihr in den nächsten Wochen!




Sonntag, 1. Juli 2018

Die Straßen Nairobi´s

Von A nach B zu kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist in Nairobi alles andere als einfach. Ungewiss ist der Zeitpunkt der Abfahrt und noch mehr der Zeitpunkt der Ankunft.

Typisches Matatu für 14 Passagiere plus Fahrer und Assistent
Anders wie in Deutschlands Großstädten gibt es in der Millionenstadt Nairobi keine U-Bahn. Das typische Fortbewegungsmittel ist ein sogenanntes "Matatu". Das sind klapprige Busse für 14 bis 45 Passagiere, die großteils auffällig lackiert sind. In den kleineren läuft oft die Radiosendung eines Seelendoktors, in den größeren ohrenbetäubende Musik (Afro-Pop, Reggae, Schlager, ...).
 

In den Matatus erlebt man so Einiges. Kann schon mal vorkommen, dass man 30 Minuten auf demselben Fleck steht, bis wieder etwas vorangeht. Ist das dann der Fall, geben die Fahrer Gas und wechseln willkürlich die Spur. Es werden auch Kurven verkürzt um ein paar Autos zu überholen. Randsteine sind dann trotz oft defekter Stoßdämpfer kein Hindernis. Auch Ampeln werden von den meisten Verkehrsteilnehmern ignoriert.
Glücklicherweise können die klapprigen Blechbüchsen aber wegen des hohen Verkehrsaufkommens und den meist miserablen Straßen keine allzu hohen Geschwindigkeiten erreichen.


Da es weder Pläne über die Routen, noch Anzeigen über Wartezeiten oder ausgeschilderte Haltestellen gibt, ist das Zurechtfinden mit den Matatus als Fremder nicht so ganz einfach.
Abgesehen davon war die Haltestelle im Stadtzentrum, an der ich täglich ein- und ausstieg, alles andere als sicher.
Juventus-Turin-Matatu
Diebe versuchen dort potentielle Opfer schon bei deren Ankunft auszuspähen.
Aus diesem Grund steige ich mittlerweile schon eine Haltestelle früher aus und gehe den Rest, um potentiellen Ärger zu umgehen. Um nicht mehr ganze fünf Stunden täglich in diesen umbequemen Dingern zu verbringen, nehme ich inzwischen bei der Heimfahrt auch eine andere Route. Diese herauszufinden ohne in den Straßen Nairobi´s verloren zu gehen, war defnititiv eine Herausforderung.


Doch eines muss man den Matatus lassen:
Die Optik einiger Fahrzeuge ist bemerkenswert!


Die Motive variieren extrem, so findet man von Musikern, Sportlern/Sportmannschaften, US-Fernsehserien, religiöse Abbildern und Sprüchen ("God will heal us") bis hin zu einem Ferrero-Rocher-Matatu alles mögliche wieder.
Dabei muss erwähnt werden, dass eine Packung Ferrero-Rocher in Nairobi umgerechnet knapp 10€ kostet und somit für den Durchschnitts-Kenianer nicht umbedingt erschwinglich ist. 


Ferrero-Rocher-Matatu

Mittwoch, 13. Juni 2018

Auf ins Abenteuer


Buch anschauen mit einer der Jüngsten

Hallo,

ich bin Eva, 22 Jahre alt und seit kurzem
Wirtschaftsmathematik-Absolventin.

Von nun an werde ich für gut zwei Monate im von INGEAR unterstützten Fruitful Talent Center tätig sein.

Im Gepäck habe ich viel - Neugier, Vorfreude, Skepsis und
ganze 46 Kilo Material! 
Gut die Hälfte davon werden nach und nach die Kids im Waisenhaus erhalten - hauptsächlich Kleidung, Hefte, Stifte, Kuscheltiere und Spielzeug, die Freunde und Verwandte entbehren konnten.



Nun war es endlich soweit, mein erster Tag im größten Slum Afrikas war gekommen. Schon erstaunlich, dass sich dieser inmitten der Hauptstadt Kenias befindet. Man kann ihn sich als ungepflegte Stadt aus Wellblechhütten vorstellen, wo aber dennoch das Geschäft mit Waren und Dienstleistungen floriert. Vom Frisör bis zum Ladekabel ist hier nahezu alles erhältlich - nur wesentlich günstiger als im Zentrum Nairobis. Mein Weg zum Fruitful Talent Center führt mich einer Art Hauptstraße des Slums entlang, die erstaunlicherweise ziemlich sauber ist. Doch das gilt nicht für die Nebenstraßen, auf diesen findet man sich unter Müllbergen und menschlichen Überresten wieder.


Im Waisenheim angekommen, wurde ich von allen Seiten herzlich mit "Karibu" - auf deutsch willkommen - begrüßt. Man kann die Gemeinschaft spüren, das Waisenhaus versteht sich als große Familie. So hat jeder viele Schwestern und Brüder und die größeren Kids kümmern sich um die kleineren.
Doch man sieht auch die Not - viele Kinder tragen verschlissene oder auch löchrige Kleidung und auch die wenigen Schulbücher fallen auseinander.



Insgesamt sind es nun gut 40 Waisen, die in der Wellblechhütte des Fruitful Talent Centers in Kibera ein Dach über dem Kopf gefunden haben. Sie alle halten sich von circa 9 Uhr bis knapp 16 Uhr in einem Klassenzimmer auf, in dem die unterschiedlichen Klassen durch alte Tafeln abgetrennt werden. Meine Aufgabe in den nächsten Tagen besteht darin, die älteren Kids in Englisch, Mathematik und Wissenschaften zu unterrichten. Doch auch jenseits des Klassenraumes gibt es viel zu tun...


Kinder im Vorschulalter üben gemeinsam


Bis bald!