Freitag, 27. Juli 2018

Joseph

Viele Kinder im Fruitful Talent Center haben in ihren kurzen Leben schon Einiges erlebt, von Missbrauch bis zum Verlust von Eltern und Geschwistern ist alles dabei. Nach und nach fangen sie an, mir ihre Geschichten zu erzählen.


Heute stelle ich euch einen sehr charakterstarken Zwölfjährigen vor:

Das ist Joseph Omondi, zwölfeinhalb Jahre alt und einer der Waisen im Fruitful Talent Center.

Am liebsten spielt er mit seinem Bruder Fußball und tanzt. Ich muss echt zugeben, gegen seine Moves kann ich echt einpacken! Sein Lieblingsgetränk ist Cola und er isst am liebsten Reis und Bohnen oder Bananen. Sein größer Wunsch sind zurzeit Torwarthandschuhe für umgerechnet drei Euro, wobei er darunter Secondhand-Skihandschuhe versteht.

Er hat vier Geschwister, die alle im Waisenhaus untergekommen sind. Sein kleiner Bruder Vincent (7) und sein Zwillingsbruder Reagan (12) sind in der Schule des Waisenhauses, seine Schwester Everline (11) und sein großer Bruder Chris (14) gehen hingegen in eine andere, (bessere) Schule.


Die Eltern sind beide nicht mehr am Leben, die Mutter starb an HIV und der Vater an im Nairobi untypischen Malaria. Seit deren Tod haben Joseph und seine Geschwister schon viel erlebt, unter anderem einige der brutalen Ausschreitungen während der Wahlen. Ihren Aussagen zufolge haben sie sogar gesehen, wie Menschen erschossen wurden.



Joseph, Everline, Ich, Suzan und Collins

Wann Joseph Geburtstag hat, weiß er zwar nicht, aber immerhin weiß er seinen Nachnamen. Das ist nicht selbstverständlich, wie eine indonesische Praktikantin und ich in einer IT-Stunde in einem im Slum gelegenen Cyber-Cafe herausfinden mussten. Eigentlich wollten wir mit den Kids einen Email-Account erstellen und ihnen zeigen, wie alles rund um das Thema funktioniert.


Doch so weit kamen wir bei den meisten garnicht, da sie nicht mal wussten wie man eine Maus bedient. Bei anderen, "Fortgeschrittenen", mussten wir dann feststellen, dass weder Nachname noch Geburtstag bekannt sind. Das hat mich schon getroffen, schließlich folgt ja daraus, dass mit den Kindern nie Geburtstag gefeiert wird. Und das ist auch der Fall, da ich in den Wochen die ich da bin nie mitbekommen hätte, dass jemand Geburtstag hat. Und die Wahrscheinlichkeit, dass keins der gut 30 Kinder in einer Zeit von mehr als einem Monat Geburtstag hat doch sehr gering ist.

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